Was wir wollen

Wir – das sind obdach- und wohnungslosen Menschen, Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte, Mitarbeiter*innen in Sozialvereinen und mietenpolitisch Engagierte- haben Leerstand satt. Deswegen haben wir heute (Datum) viele der lange leerstehenden Wohnungen in der Habersaathstraße bezogen. Dadurch haben wir Wohnraum geschaffen, für Menschen, die ihn gerade dringend brauchen!

 

 

Die Temperaturen sinken, der Winter steht vor der Tür. Gleichzeitig steigen erneut die Corona-Infektionszahlen, denn die “zweite Welle” der Pandemie ist bereits da. Nachwievor müssen viele Menschen in dieser Stadt auf der Straße leben oder sind in beengten Unterkünften gesundheitlichen Gefahren weitgehend schutzlos ausgeliefert. Die Corona-Pandemie macht die bereits schlechte Situation von obdach- und wohnungslosen Menschen sowie Geflüchteten in Unterkünften nochmals schwieriger. Um uns und andere Menschen vor einer Infektion zu schützen, werden wir aufgefordert Zuhause zu bleiben und zu anderen Menschen physischen Abstand zu halten. Ohne ein eigenes oder sicheres Zuhause ist dies jedoch nicht möglich!

 

 

Berlin steckt tief in er Wohnungskrise. Jahrelang wurde es versäumt ausreichenden, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Im Gegenteil laufen Entmietungen und Zwangsräumungen unterstützt von Rot-Rot-Grün ungehindert weiter. Immer weniger Menschen haben die Chance auf dem Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden und immer mehr Menschen haben gar keine eigene Wohnung. Schätzungsweise müssen in Berlin bis zu 10 000 Menschen auf der Straße leben, demgegenüber stehen lediglich bis zu 1000 Plätzen in Notunterkünften.

 

 

Der Senat hat sich zwar schon lange auf die Fahne geschrieben, wohnungs- und obdachlose Menschen sowie Geflüchtete in Wohnungen unterzubringen, doch geeigneter Wohnraum sei nun mal nicht vorhanden, lautet es aus der Senatsverwaltung für Soziales. Doch hier in der Habersaathstraße standen bis gestern viele gute, bezugsfertige Wohnungen leer.

 

 

Deswegen nehmen wir die Sache selbst in die Hand! Den Leerstand in der Habersaathstraße haben wir heute beendet. Dabei freuen wir uns auf eine gute Nachbarschaft mit den Mieterinnen und Mietern, die sich seit Jahren gegen die weitere Entmietung des Hauses und ihre Verdrängung zur Wehr gesetzt haben. Ohne sie gäbe es hier schon längst keinen Wohnraum mehr, sondern Luxusapartments und ein weiteres Hotel – was wirklich kein Mensch braucht.

 

 

Das Haus soll ein Ort sein, den auch andere Menschen ohne festes Zuhause nutzen können. Über die Art und Weise des Zusammenlebens wollen wir gemeinsam entscheiden. Alle können sich mit Ideen und Vorschlägen einbringen. Um der Organisation des Zusammenlebens eine Struktur zu geben, denken wir an die Gründung eines Hausvereins. Erstmal richten wir uns ein und überlegen als alte, neue und zukünftige Bewohner*innen des Hauses, wie wir gemeinsam leben wollen.

 

 

Es gibt schon einige Ideen, vieles ist vorstellbar: Von gemeinsamem Kochen bis zu Kulturveranstaltungen, einen Bereich für Frauen, einem Beratungs- und Therapieraum. Der Wohnraum soll den Menschen unabhängig von sozialarbeiterischer Betreuung zur Verfügung stehen. Das Wichtigste ist ein sicheres und festes Zuhause zu haben, alles andere kommt später.

 

Wir fordern die sofortige Beschlagnahmung der Habersaathstraße ! Der Wohnraum soll Menschen zur Verfügung gestellt werden, die ihn brauchen und sich daher bereits angeeignet haben!

 

 

Niemand soll auf der Straße leben müssen. Für spekulativen Wohnungsleerstand gibt es keine Rechtfertigung! Das Menschenrecht auf Wohnen gilt für alle Menschen!

 

Vorschläge für die neue Nutzung:

Wir freuen uns auf eine gute Nachbarschaft mit den Mieterinnen und Mietern des Hauses in der Habersaathstraße. Sie haben sich gegen ihre Entmietung den Abriss des Hauses gewehrt. Menschen ohne Wohnung ziehen in ein Haus mit zu wenig Menschen. Wir freuen uns endlich ein dauerhaft sicheres Zuhause zu bekommen, mit regulären Mietverträge für alle Bewohner*innen. Aber auch Menschen, die (noch) kein festes Zuhause haben, sollen das Haus nutzen können.

In der Vorbereitung haben wir uns viele Gedanken zu unserem zukünftigen Zusammenleben gemacht. Besonders wichtig ist uns dabei:

 

• Wir wünschen uns, dass alle an dem Projekt Habersaathstraße beteiligten Menschen auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und an der Gestaltung des Zusammenlebens mitwirken können.

• Wir stellen uns ein Plenum vor, an dem alle Bewohner*innen teilnehmen können und gemeinsam Regeln für das Zusammenleben finden. Auch über die schwierige Frage, wer hier wohnen kann, wollen wir gemeinsam entscheiden. Wichtig ist uns ein wertschätzender Umgang untereinander.

• Konkret stellen wir uns einen lebendigen Ort vor, mit einem eigenen Bereich für Frauen*, einem Raum für Menschen mit Fluchterfahrung, einen Waschsaal und Duschmöglichkeiten vor.

• Auch sollte es Gemeinschaftsflächen zum gemeinsamen Kochen oder für kulturelle Veranstaltungen geben.

• Beratung- oder Sozialarbeit sollen bei Bedarf angeboten werden können.

• Damit unser neues Zuhause langfristig funktionieren kann, überlegen wir einen eigenen Hausverein zu gründen.

• Das Recht auf Wohnen darf nicht an Bedingungen, wie sozialarbeiterischer Betreuung geknüpft werden.

Wir sind gespannt und freuen uns auf das Zusammenleben.